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Bild: Nadine Menke, Carina Schulte, Dr. Ilona Lange,Dr. Utho Creusen, Dr. Wilfred Vrochte, Ralf Kersting v. li.).

 

Im Flow
Das persönliche Glücksniveau lässt sich beeinflussen. Aber kann man dieses auch auf Mitarbeiter übertragen? „Ja“, sagt Prof. Dr. Utho Creusen. „Und zwar durch Positive Leadership“. Was sich dahinter verbirgt und welche Ergebnisse damit erzielen lassen, das zeigte er den Gästen des Wirtschaftsforums, zu dem die Wirtschaftsjunioren Arnsberg und des Industrie- und Handelsclubs (IHC) gemeinsam eingeladen hatten.
„Wussten Sie, dass die Hälfte des Glücksempfindens vererbt wird?“, fragte Nadine Menke, Sprecherin der Wirtschaftsjunioren, zu Beginn der Veranstaltung die 120 Teilnehmer des Forums. Das bedeute, so die Unternehmerin, dass die andere Hälfte aktiv beeinflusst werden kann. Damit hob die Geschäftsführerin der Agentur Neue Werbung den zentralen Ausgangspunkt von Utho Creusens Positive Leadership hervor und forderte ihn mit einem Lächeln auf: „Wir freuen uns auf ihren Vortrag und hoffen, dass Sie nicht nur den einen oder anderen Tipp für uns haben, sondern wir bei ihrem Vortrag ein Gefühl der vollkommenen Zufriedenheit empfinden werden“.
Das vorab: Wer sein persönliches Glücksniveau um bis zu 10 Prozent anheben möchte, für diejenigen hatte der 61-Jährige, der in Köln Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Sozialpsychologie studiert hat, einen simplen Trick parat: Abends drei positive Dinge des Tages in ein persönliches Glückstagebuch schreiben und morgens direkt nach dem Aufwachen anschauen. Wer dies vier Wochen lang durchziehe, dessen Glücksniveau und innere Zufriedenheit liege anschließend höher als zuvor.   
Nicht mit einem Glückstagebuch, dafür aber auf anderem Wege ließe sich auch die Zufriedenheit und das Glücksempfinden von Mitarbeitern positiv steigern, sodass diese motivierter und leistungsstärker werden, so Creusen. Als er an diesem Tag in die Region gekommen sei, habe er in den Vorgesprächen viel über die Region und die erfolgreichen, inhabergeführten Unternehmen erfahren, die sich in besonderer Weise ihren Mitarbeitern gegenüber verantwortlich fühlten. Aber auch sie bekämen in Zeiten der Digitalisierung und des demografischen Wandels längst zu spüren, dass erfolgreiches Wirtschaften schwieriger wird.
Als Grund dafür  identifizierte Utho Creusen vier Buchstaben: VUCA. Sie stehen für Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity. Übersetzt bedeutet das: Veränderungen finden immer schneller statt, gleichzeitig steigt die Unsicherheit, Zusammenhänge werden immer komplexer und das Wissen kann nicht auf schwarz oder weiß beschränkt werden, weil es dazwischen unzählige Grautöne gibt. Gleichzeitig drängen die Generationen Y und Z in den Arbeitsmarkt, die mit Traditionen und Hierarchien wenig anfangen können, dafür aber technik- und medienaffin und unternehmerisch aktiv sind – und die schnell vorankommen wollen. „Die Frage ist: Wie binde ich junge Leute an die Region?“, sagte Utho Creusen.
Allein mit alten Management-Prinzipien und -Führungsinstrumenten komme man da nicht mehr weit, sagte der Referent und zeigte das Beispiel eines Dirigenten, der mit einem erstklassigen Orchester probt und die Musiker ständig unterbricht und korrigiert. Übertragen auf die Wirtschaft sagt er: „Wenn ich immer erkläre, wie etwas gemacht werden muss, sorge ich dafür, dass Mitarbeiter ihre Gehirne morgens an der Garderobe abgeben“. Diese Mitarbeiter seien nicht motiviert, gingen kein Risiko ein, schöpften ihr Können nicht aus und seien damit auch nicht leistungsstark.
„Wir brauchen einen anderen Führungsstil“, betonte Creusen deshalb. „Denn Sie brauchen Menschen, die eigenständig denken und handeln und die auch Spaß bei der Arbeit haben“. Sein Beispiel dafür war wieder ein Profiorchester, dieses Mal mit einem Dirigenten, der seinen Musikern zuhört und ihnen die Möglichkeit gibt zu spielen, ohne sie regelmäßig zu unterbrechen. Positive Leadership, nennt der 61-Jährige den Führungsstil, mit dem Unternehmer mehr Zufriedenheit und damit eine höhere Produktivität ihrer Mitarbeiter begünstigen können. Dafür müssen insbesondere zwei Voraussetzungen geschaffen werden: Mitarbeiter brauchen selbstständige Tätigkeiten und Herausforderungen, die sie bewältigen können.
Wenn die Qualifikation von Mitarbeitern und die Anforderungen einigermaßen im Gleichgewicht seien, dann seien Mitarbeiter „relativ glücklich“. Und ganz besonders glücklich seien sie in den Momenten, in denen sie eine Herausforderung gemeistert hätten. Dieses Erlebnis sporne dazu an, sich selbst zu steigern und Neues zu wagen. Dabei könne bestenfalls ein sogenannter Flow entstehen, erläuterte Utho Creusen und meint damit einen Zustand, in dem Menschen sogar das Gefühl für Zeit verlieren. Diesen Flow kann man nicht erzwingen. „Aber sie können die Rahmenbedingungen dafür schaffen“, ermutigte Utho Creusen die Unternehmer. Mitarbeiter bräuchten Raum und Gelegenheit für eigene Ideen und deren Umsetzung. Und sie müssten scheitern und daraus lernen dürfen. Utho Creusen plädierte dafür, die Stärken von Mitarbeitern in den Fokus zu stellen. Und wer ihnen in einem Verhältnis von 3:1 positives und negatives Feedback gebe, der schaffe eine wichtige Grundlage für Zufriedenheit und Glücksgefühle (Für eine glückliche Ehe gilt übrigens das Verhältnis 5:1).
Dr. Wilfred Vrochte, IHC-Vorstandssprecher, dankte dem Gast für den spannenden und kurzweiligen Vortrag. „Ich glaube, wir haben das Thema Positive Leadership vollumfänglich angerissen“, sagte der Geschäftsführer von Kleeschulte Erden lachend. Er selbst habe für sich mitgenommen, wie wichtig es ist, die positiven Dinge im Leben in den Fokus zu rücken. (Vortrag: Dr. Utho Creusen)

(Bild: Nadine Menke, Carina Schulte, Dr. Ilona Lange, Dr. Utho Creusen, Dr. Wilfred Vrochte, Ralf Kersting, v. li.).

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